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1941 bis 1945 - Chronik-Geschichte38

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1941
Die Eintragung der Einheitssatzung des NSRL beim Amtsgericht muss wahrscheinlich auf Grund der Vielzahl der eingereichten Satzungen ein wenig länger gedauert haben. Die vom Altglienicker Ballspiel Club 1909 am 18.05.1940 beschlossene Satzung, die man am 25.09.1940 beim Amtsgericht vorlegte, wurde am 06.03.1941 einschl. der Vereinsführerschaft eingetragen. Der Verein erhielt beim Amtsgericht eine neue Registriernummer 581 V.R. 12719. Im Amtsgerichttext findet man zur Vereinsführerschaft einen Textteil "Er ist Vorstand im Sinne des Vereinsrechts". Im BGB regelt §26 die Vertretungsberechtigung eines Vereins. Üblich waren und sind heute noch mehrere Vereinsvertreter des Vorstandes als juristische Personen. Das war nach dem Führerprinzip nicht möglich. Wir bewerten diesen Satz als einen abgestimmten Kompromiss zwischen dem Führerprinzip und dem §26 BGB.
Das Amtsgericht informierte mit Anschreiben zwei Stellen des Polizeipräsidenten; die Amtsblattstelle der Polizei zwecks allgemeiner Veröffentlichung sowie die Abteilung V, die nach unseren Informationen die Verwaltungsstelle der Polizei für Vereine war. Nachfolgend Auszüge aus beiden Anschreiben sowie ein Auszug aus dem betreffenden Amtsblatt. Was wir an der Amtsblatteintragung besonders interessant finden ist, dass der Altglienicker Ballspiel Club 1909 scheinbar beim Amtsgericht Charlottenburg ein Ersteintrag war. Das passt zu den Fakten, dass der AGBC 1909 wohl die Satzungsneufassung zuerst an das Amtsgericht Köpenick geschickt hatte, der Verein eine neue Registernummer beim Amtsgericht Charlottenburg erhielt und damit seine Akte in Charlottenburg erst 1941 begann.
Das Amtsgericht erstellte Ende März 1941 die Gebührenbescheide für die Eintragung. Auch diese Unterlagen belegen aus unserer Sicht einen Ersteintrag. Wir haben diese Unterlagen bewusst ein wenig ausführlicher hier eingefügt, da wir weiterhin auf der Suche nach den Akten des MTV Spieß Altglienicke sind. Wir hoffen über die Begriffe "Amtsgericht Köpenick, Amtsblatt bzw. Polizeidirektion V" irgendwie amtliche Spuren dieses Vereins zu finden.
Mit der Amtseintragung der Übernahme der Einheitssatzung des NSRL durch die Vereine war die wichtigste administrative Vorgabe der Dachorganisation Mitte 1941 beendet (AGBC 1909 siehe vor/MTV Spieß noch in Recherche). Wir haben jedoch durch amtliche Mitteilungen im Verordnungsblatt den Eindruck gewonnen, dass die Vereine immer mehr statistische Angaben an ihre Bereichs- und Kreisfachwarte machen mussten. Der Sport selbst litt in Altglienicke wie überall unter den Auswirkungen des Krieges. Am 30.08.1941 meldeten die Fußballer des Altglienicker Ballspiel Clubs 1909 nur noch eine Männer-Mannschaft für den Spielbetrieb. Informationen über die Turner des MTV Spieß Altglienicke fand man in den Verordnungsblättern aus dem Jahr 1941 nicht. Wir vermuten, dass einige wenige Turn-Männer teilweise an Vergleichskämpfen im Kreis teilgenommen hatten, deren Ergebnisse jedoch nicht bekannt gegeben wurden. Bekannt ist zumindest, dass ein regelmäßiges Kinderturnen stattgefunden haben muss. Die verbliebenen Handballmänner des MTV Spieß beteiligten sich an einer Spielgemeinschaft (Meldung einer Mannschaft am 08.01.1941) mit einem Adlershofer Sportverein. Diese Spielgemeinschaft wurde per Meldung am 17.09.1941 in der Spielserie 1941/1942 fortgesetzt.
1942
Über einen Wettkampf, an dem die Turner des MTV Spieß Altglienicke teilnehmen sollten, wurde im Verordnungsblatt vom 22.02.1942 berichtet. Sie sollten einen Wettkampf austragen, zu dem sie aber nicht mehr antraten (siehe Abteilungen/Gymnastik). Damit enden jegliche Informationen über das Männerturnen im MTV Spieß Altglienicke. Wir haben aus dem Jahr 1942 auch eine Information von den Turnerinnen des MTV Spieß Altglienicke gefunden. Im Verordnungsblatt vom 21.01.1942 rügte die Sportsbezirksführung, dass man einen Fragebogen vom 15.05.1941 noch nicht abgegeben habe. Das ist für uns ein sicheres Zeichen, dass es ab 1941 kein Frauenturnen beim MTV Spieß mehr gegeben hat. Der Altglienicker Ballspiel Club 1909 stellte nach derzeitigen Recherchen am 26.04.1942 seinen Fußball-Spielbetrieb ein. Die Handball-Spielgemeinschaft Altglienicke/Adlershof meldete für die Spielserie 1942/1943 wiederum eine Mannschaft.
Der NSRL führte ab Mai 1942 eine Offensive zur Intensivierung des Kinderturnens durch. Nachfolgend oben links ein Auszug aus einem Aufruf von Bereichskinderturnwart Bruno Höppner, der im Verordnungsblatt vom 06.05.1942 erschien. Im gleichen Jahr erschien im Verordnungsblatt vom 19.08.1942 eine Anordnung vom Gebietsfachwart Turnen W.Horn über die Startberechtigung von Jugendlichen in den Turnvereinen. Wir spekulieren, dass es zu einem Zuständigkeitsgerangel zwischen den politischen Führungen der HJ, des BDM, der Pimpfe usw. auf der einen Seite und dem NSRL einschl. seiner Vereine auf der andern Seite gekommen sein kann. Am 18.11.1942 erschien im Verordnungsblatt eine Schrift über die gute Zusammenarbeit des NSRL mit den Jugendorganisationen. Das ist fast immer ein sicheres Zeichen, dass gewisse Spannungen zwischen Zuständigkeiten bestanden. Der Artikel gibt auch einen guten Überblick zur Struktur des Jugendsportes und über die bestehenden Zuständigkeiten (Quelle: 4*, ebenda).
1943
Die Handballer des MTV Spieß Altglienicke nahmen als Spielgemeinschaft Adlershof/Altglienicke zumindest bis zum 24.01.1943 am Spielbetrieb teil. Danach liegen uns keine Informationen mehr vor, da ab diesem Zeitpunkt keine Sportzeitschriften zum Handball mehr vorhanden zu sein scheinen. Im Verordnungsblatt vom 13.01.1943 wurden Erfolgsmeldungen zum Kinderturnen veröffentlicht. In unserem Archiv gibt es ein Erinnerungsprotokoll unsers Sportfreundes Paul Schulze, der im Jahr 1943 das Kinderturnen im MTV Spieß Altglienicke organisierte. Er berichtete u.a. vom Kinderturnen und den Diskrepanzen mit der HJ. Für uns ist seine Aussage ein Beleg, dass es zwischen den Verantwortlichkeiten des NSRL und der HJ weiterhin Spannungen gab. Ob die Abgeschiedenheit von Altglienicke und die Geringfügigkeit des MTV Spieß Altglienicke ggf. ein kommunaler Grund war, können wir nicht einschätzen.
Datum
Ereignis
Auswirkungen für den Altglienicker Sport
18.02.1943
Verkündung des "Totalen Krieges" mit Einführung eines 12 Stundentages und einer 7 Tage Arbeitswoche (Quelle: 2*), Damit waren umfangreiche Einschränkungen im Sportbetrieb verbunden, die in den folgenden Monaten zu vielen Abbrüchen bei den Meisterschaften der einzelnen Fachämter führten.

März 1943
Karl Ritter von Hall wurde Nachfolger von Hans von Tschammer und Osten.
keine
Am 12.05.1943 wurde das Verordnungsblatt des NSRL für den Sportbereich Berlin/Mark Brandenburg eingestellt (Quelle: 4*ebenda und Archiv VSG e.V.). In der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer soll es Ausgaben der Zeitschrift NS-Sport bis in das Jahr 1945 geben. Wir hoffen, dass wir diese einmal sichten können, denn wir vermuten ggf. Veröffentlichungen von allgemeinen Anordnungen der Reichssportführung, die wir ggf. auf Berlin/Mark Brandenburg runterbrechen können.
1944
In den Unterlagen des Amtsgerichtes Charlottenburg haben wir in der Vereinsakte des Altglienicker Ballspiel Clubs 1909 ein Dokument vom 06.03.1944 gefunden (links; aus Gründen der Darstellung wurde das Layout verändert). Der Sportbetrieb des AGBC 1909 wurde Anfang 1942 eingestellt. Der Verein existierte jedoch weiter. Fakt ist: Der Verein AGBC 1909 und seine Version der Einheitssatzung des NSRL wurden seitens des Amtsgerichtes Charlottenburg unter der Registernummer 581 V.R. 12719 am 06.03.1941 amtlich eingetragen. Im Stempel oben links ist der 06.03.1944 als Datum einer Vorlage nach Blatt 16 vermerkt, einschl. Haken zum Vorgang. Was dort vorgelegt wurde, können wir nicht sagen. Wir vermuten, dass es sich um einen Nachweis zur Existenz des Vereins handelte. Handschriftlich kann man lesen "Nach 3 Jahren" (ggf. anderes erstes Wort) und in roter Schrift 06.03.1947. Man könnte schlussfolgern, dass alle drei Jahre dem Amtsgericht "irgend etwas" vorgelegt werden musste. Das ist eine gewagte Annahme, aber was sollte es sonst bedeuten. Nachfolgend rechts haben wir einige Dokumentenauszüge aus den Akten des AGBC 1909 eingefügt, die man im Archiv des Landesarchivs Berlin finden kann; unter A Pr.Br. Rep 030-04:2623 (Dokumentenveröffentlichung durch LAB genehmigt) Diese Aktensammlung haben wir noch nicht bewertet. Was sagen andere Vereine zu unserer Annahme? chronik@vsg-altglienicke.de
Im Jahr 1944 trafen sich die Alliierten, um die Nachkriegsordnung zu besprechen. Am 12.04.1944 wurde das Londoner Protokoll verabschiedet. Inhalt war die Aufteilung Deutschlands sowie die Verwaltung von Berlin nach dem Krieg. Diese weltpolitische Entscheidung spielte für den Sport in Altglienicke zu dieser Zeit überhaupt keine Rolle. Einen Sportbetrieb in Altglienicke gab es zudem nicht mehr; wahrscheinlich auch kein Kinderturnen mehr.
1945
Die Vereine MTV Spieß Altglienicke von 1883 und Altglienicker Ballspiel Club 1909 existierten über das Ende des 2.Weltkrieges hinaus als juristische Eintragungen weiter. Beide Vereine wurden durch Beschlüsse und Gesetze der Alliierten vom 10.10.1945 bzw. vom 17.12.1945 aufgelöst und verboten. "Wieder"-Gründungen/-Aktivierungen dieser beiden Vereine gab es nach dem 08.05.1945 nicht mehr. Der Arbeitersport als selbständige Organisationsform war nach dem Ende des 2.Weltkrieges nicht mehr erforderlich.
Epilog
Wie wir bereits im Prolog geschrieben haben, befassen wir uns mit der Thematik "Altglienicker Sportvereine in der NS-Zeit" bereits seit 2012 und haben auf Grund der Herausgabe des Buches 7*) Eine Stütze des Systems? - Schneider/Küchenmeister" unsere Seiten zur Epoche von 1933 bis 1945 überarbeitet. Dabei sind wir in den vier Monaten unserer aktuellen Recherche auf viele neue Dinge und Fragen gestoßen, die weitere Recherchen erfordern. Besonders die Situation der Jugendarbeit, die Struktur der HJ (Bann-Einteilung), des Jungmannensystems usw. sind zu untersuchen. Wer Interesse hat mitzuforschen, kann sich gern an die Chronik wenden.
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