Nachkriegsordnung - Chronik-Geschichte

- Chronik- Sportpolitik -
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Mai 1945 bis Ende 1945- Der Wiederbeginn unter einem gemeinsamen Dach
Nach dem Ende des 2.Weltkrieges war die Erneuerung des Sportbetriebes dem Grunde nach eine sekundäre Sache für die Bevölkerung. Trotzdem gab es einige Sportaktivisten, die bereits Tage nach der Kapitulation den Sportbetrieb in Berlin und in Deutschland wieder aufbauen wollten. Wir versuchen auf dieser Seite, die Abläufe bei der Sportwiederbelebung ein wenig aufzulisten und die gesellschaftliche Entwicklung auf die Situation in Altglienicke zu adaptieren und ausgewählte Sportereignisse Dritter mit einzuarbeiten. Wir hoffen, dass wir bei dieser schwierigen Recherche so nah wie mögich an die Wahrheit kommen und haben die Informationen in Monatsscheiben untergliedert, um beim Auftauchen neuer Informationen, diese unkompliziert in das richtige Zeitfenster einsortieren zu können.
23.04.1945 bis 30.04.1945

23.04.1945-Die "Rote Armee" erreicht Altglienicke.

26.04.1945- Beginn der neuorganisierten Verwaltungsarbeit mit den Schwerpunkten Versorgung und Wiederherstellung der Infrastruktur.

30.04.1945- Durch die Alliierten wird in Altglienicke eine Bürgermeisterei eingesetzt.

(Quellen: Bürgerverein Altglienicke, Historische Blätter für den StadbezirkTrepow, sowie Wiki und verschiedene)
01.05.1945 bis 31.05.1945

08.05.1945- In Karlshorst unterzeichnen Keitel, Friedeburg und Stumpff die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Damit enden die Kampfhandlungen in der Reichshauptstadt und die Bevölkerung kann unter den schwierigsten Bedingungen wieder zu einem zivilen Leben zurückkehren.

13.05.1945- Erstes Fußballspiel nach dem Krieg in Mühlbeck/Bitterfeld; Mannschaften unbekannt (Quelle: Skorning, FiVuG ),

16.05.1945- Erstes Fußballspiel nach dem Krieg in Berlin; in Spandau- Mannschaften unbekannt (Quelle: Skorning, FiVuG),

17.05.1945- Durch die sowjetischen Alliierten wird ein neuer Magistrat für Groß-Berlin eingesetzt (Quelle: Landesarchiv Berlin)

20.05.1945- Beginn eines regelmäßigen wöchentlichen, noch unorganisierten, Spielbetriebes verschiedener Mannschaften in Berlin, jeweils am Sonntag (Quelle: Skorning, FiVuG)

30.05.1945- Wahrscheinlich erste Versammlung Altglienicker Sportler zwecks Wiederaufnahme des Sportbetriebes (siehe auch unten Eintrittskarte) für die Sportarten Fußball und Handball.
Unter der Leitung von Otto Hentschel und Willi Braune bildeten sich ab Sommer 1945 die Sportsparten Fußball und Handball. Damit wird die Basis für die Bildung der kommunalen Sportgruppe SG Altglienicke gelegt. Dieser Sachverhalt wird durch einen Abschnitt in einem Gedächtnisprotokoll eines Zeitzeugen belegt; niedergeschrieben von unserem Ehrenmitglied Paul Schulze. Nach dem Schriftstückauszug folgen Erinnerungsfotos von einigen wichtigen Ehrenamtlichen der "Stunde Null".
Fotos von links nach rechts: Otto Hentschel, Willi Braune- versammelten die Altgliencker Sportler im Rahmen des kommunalen Sports und bildeten ab 1946 die erste Spartenleitung der SG Altglienicke. Beide waren die Verantwortlichen für die Überführung der SG Altglienicke zum Altglienicker Sport Verein im Jahr 1949. Gustav Rockel war ab 1945 erster Spartenleiter Fußball und Willi Sadowski war ab 1945 erster Spartenleiter Handball. Unter ihrer Leitung nahmen beide Sparten ab September 1945 den Wettkampfbetrieb auf.
01.06.1945 bis 30.06.1945

03.06.1945- 1.Volkssportfest in den Berliner Stadtbezirken mit Fußballspielen u.a. auf dem Exer Schwarz/Rot gegen Schwarz/Weiß 2:1 und Stadion Buschallee Weißensee-Neukölln 2:1 (Quelle: Skorning, FiVuG),

Anfang Juni 1945- Bildung eines "Hauptsportamtes" unter dem Dach des Magistrats von Groß-Berlin sowie Bildung der Bezirkssportämter als erste zentrale Sportorganisationen.
Es wurde der Beschluss zur Bildung von "Kommunalen Sportgruppen" unter der Kontrolle der antifaschistischen Selbstverwaltungsorgane gefasst (Quelle: Skorning, FiVuG),  

Ende Juni 1945- Einzug der drei Westmächte in Berlin (Quelle: Wiki)
01.07.1945 bis 31.07.1945

Mitte Juli 1945- Wahrscheinlich offizielle Konstituierung der kommunalen Sportgruppe "Altglienicke" nach den Vorgaben des Sportbezirksamtes Treptow,

Ende Juli 1945- Aufteilung der Berliner Stadtbezirke in vier Besatzungszonen,
01.08.1945 bis 31.08.1945

Im Monat August müssen innerhalb der kommunalen Sportgruppe Altglienicke die Vorbereitungen für einen Wettspielbetrieb getroffen worden sein, denn für Anfang September wurden erste Rundenspiele durch das Hauptsportamt angesetzt. Wir denken, dass hauptsächlich die materielle Sicherstellung sowie die Suche nach einem Sportplatz Hauptschwerpunkte waren. Aufzeichnungen über die damaligen Aktivitäten haben wir leider nicht.
01.09.1945 bis 30.09.1945

01.09.1945- Beginn des Rundenspielbetriebes in Berlin mit ca. 100 Mannschaften auf kommunaler Kreisebene (Quelle: Skorning, FiVuG),

02.09.1945- Die erste Ansetzung nach dem Krieg für eine Altglienicker Fußballmannschaft- Abschnitt Ost/ 1.Mannschaften: u.a. Alt-Glienicke gegen Lichtenberg-Nord (Quelle: Berliner Zeitung),

23.09.1945- Die erste Ansetzung nach dem Krieg für eine Altglienicker Handballmannschaft der Männer- Kreuzberg II- Alt-Glienicke, Tib-Platz, Lilienthalstraße 17 (Quelle: Berliner Zeitung),

23.09.1945- Die erste Ansetzung nach dem Kreig für eine Altglienicker Handballmannschaft der Frauen- Bohnsdorf- Alt-Glienicke, Am Buntzelberg (Quelle: Berliner Zeitung),

30.09.1945- Erstes Städtespiel in Berlin: Berlin- Wittenberge 6:3 im Mommsen-Stadion,
01.10.1945 bis 31.10.1945

10.10.1945- Das 2.Alliierte Kontrollratsgesetz wird erlassen u.a. : "... Liqidierung aller faschistischen Einrichtungen..." u.a. auch der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (Quelle: verschiedene gleichen Inhalts),

Oktober 1945- Teilnahme der Fußball- und Handballmannschaften der kommunalen Sportgruppe Altglienicke an den Rundenspielen in Berlin. Leider gibt es wenige Ergebnismeldungen in den örltichen Zeitschriften.
01.11.1945 bis 30.11.1945

November 1945- Teilnahme der Fußball- und Handballmannschaften der kommunalen Sportgruppe Altglienicke an den Rundenspielen in Berlin. Leider gibt es wenige Ergebnismeldungen in den örltichen Zeitschriften.
01.12.1945 bis 31.12.1945

17.12.1945- Die Kontrollratsdirektive Nr. 23 wird erlassen, u.a.: "Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens";
In H.Leske, Fußball in der DDR ist zu lesen: "Auf sowjetische Initiative hin wurde im Dezember 1945 per Kontrollratsdirektive bis zum 01.01.1946 die Auflösung aller vor der Kapitulation Deutschlands bestehenden sportlichen, militärischen und paramilitärischen athletischen Organisationen verfügt. Das war die Zerschlagung und Enteignung der bürgerlichen Sportvereine in Osten." Damit erfolgte die Auflösung des MTV Spieß Altglienicke von 1883 sowie des Altglienicker Ballspiel Clubs von 1909.

Dezember 1945- Teilnahme der Fußball- und Handballmannschaften der kommunalen Sportgruppe Altglienicke an den Rundenspielen in Berlin. Leider gibt es wenige Ergebnismeldungen in den örltichen Zeitschriften.

31.12.1945- Zahl der aktiven Sportler in Berlin- ca. 25.000 hauptsächlich Fußballer (Quelle: Skorning, FiVuG),

31.12.1945-  Wir gehen davon aus, dass mit der Kontrollratsdirektive Nr. 23 der kommunale Sport seitens der Alliierten offiziell genehmigt wurde und damit auch ab dem 01.01.1946 die kommunalen Sportgruppen die Abkürzung SG (Sportgruppe) trugen durften.
Ein wichtiger Beleg dafür, dass der Sportbetrieb in Altglienicke bereits unmittelbar nach dem Krieg wieder aufgenommen wurde, ist die nachfolgende Eintrittskarte für ein Vereinsvergnügen am 30.05.1948 anlässlich des dritten Geburtstages der SG Altglienicke. Diese Eintrittskarte erhielten wir vom Bürgerverein Altglienicke. Der 30.05.1948 wurde sicherlich aus organisatorischen Gründen gewählt. Es kann aber auch sein, dass sich wirklich exakt am 30.05.1945 erstmalig wieder Altglienicker Sportler getroffen haben, um über die Zukunft des Sports in Altglienicke zu befinden. Deshalb haben wir diesen 30.05.1945 in der Monatsscheibe Mai 1945 als Meilenstein benannt.
1946 -1947 Der Spiel- und Sportbetrieb in Altglienicke wird stabil
Entsprechend der 23.Kontrollratsdirektive vom 17.12.1945 wurden bis Ende 1945 alle alten bürgerlichen Vereine aufgelöst. Ab dem 01.01.1946 ist damit der kommunale Sport als alleinige Sportorganisationsform dem Grunde nach legitimert. Die Spartenleiter sowie die SG-Leitung der SG Altglienicke treffen sich ab diesem Zeitpunkt regelmäßig, um den Trainings- und Wettkampfbetrieb abzusichern und zu verbessern. Man trifft sich hauptsächlich in der Gaststätte Ebel (heute noch im Sprachgebrauch der Altglienicker "die stumpfe Ecke"; siehe nachfolgendes Foto).
Übrigens: Gepflegte Speisen und Getränke sowie historische Fotos von Altglienicke in den Gasträumen sind auch heute gute Gründe zum Besuch der Gaststätte Ebel.
Nachdem die Fußballer und die Handballer als erste Sparten ab September 1945 einen regelmäßigen Sportbetrieb durchführen, organisieren sich in den Jahren 1946 und 1947 weitere Sportsparten unter dem Dach der SG Altglienicke. Im Herbst 1947 finden sich auf Initiative von Max Schulz erste Sportler für eine Sparte Turnen und Gymnastik zusammen. Belegt wird dieser Zeitpunkt durch einen Textauszug im bereits oben genannten Gedächtnisprotokoll unseres Ehrenmitgliedes Paul Schulze. Über die Bildung der Sportsparten Angeln, Schach, Faustaball, Kegeln, die in den späteren Protokollen von 1948 erwähnt werden, haben wir keine Informationen über einen exakten Gründungszeitpunkt.
Foto fehlt noch
Fotos von links nach rechts: Max Schulz war Initiator des ersten Treffens der Altglienicker Turner im Herbst 1947 zur Wiederbelebung des organisierten Turn- und Gymnastiksports; Paul Schulze, der nach der Gründung der Sparte deren erster Leiter wurde. Später übernahm der Sportfreund Freier die Spartenleitung.
1948 - Die Mehrspartenstruktur der SG Altglienicke bewährt sich
Am 01.01.1948 findet in der Gaststätte Ebel die jährliche Hauptversammlung der SG Altglienicke statt. Von dieser Sitzung liegt uns das erste Vorstandsprotokoll unseres Archivs vor. Diesem Protokoll kann man Informationen entnehmen, die über die Zeit von 1946 bis 1947 Auskunft geben. Im Protokoll wird auch eine "Sportgruppenleitung" erwähnt. Zu dieser Sportgruppenleitung gehören wie im Sommer 1945 weiterhin die Sportfreunde Otto Hentschel und Willi Braune. Weitere Mitglieder in dieser Zeit sind die Sportfreundinnen Gretchen Thieke und Ruth Sucker als Kassiererin bzw. Schriftführerin.
Die Sportgruppenleitung gibt bekannt, dass für den Sport in Altglienicke vor dem Krieg mehrere Sportanlagen genutzt wurden. Direkt nach Ende des Krieges wurde teilweise noch die Sportanlage "Köpenicker Straße" genutzt (ist auch belegt durch einige Ansetzungen der Fußballer und Handballer aus den Jahren 1946-1948).  Der Wettkampfspielbetrieb wird in dieser Zeit jedoch hauptsächlich am Buntzelberg sowie in der Genossenschaftsstraße durchgeführt. Es wird über die Errichtung einer neue Sportanlage nachgedacht. Auf dem Standort der alten Sportanlage "Köpenicker Straße" soll das Volksstadion Altglienicke errichtet werden. Wir haben nachfolgend einige weitere ausgewählte Auszüge aus dem Protokoll vom 01.01.1948 aufgelistet.
Gustav Rockel von den Fußballern teilt mit, dass in den letzten zwei Serien der Aufstieg aus der 2.Klasse nicht geschafft wurde. Auch die Handballer führen nach dem Krieg wieder einen regelmäßigen Sportbetrieb durch. Sportfreund Sadowski berichtet über die Anzahl der Mannschaften, die im Spielbetrieb stehen.
1949 - Die Gründung des Altglienicker S.V. wird vorbereitet; die Teilung des Berliner Sportbetriebes kündigt sich an
Im Juni 1948 wird in den Westberliner Bezirken die D-Mark eingeführt. Diese wirtschaftliche Trennung ist einer politischen Trennung gleichzusetzen. Damit kündigt sich auch die Trennung des gemeinsamen Berliner Sportbetriebes an. Am 01.10.1948 wird in Berlin unter dem Dach des FDGB und der FDJ der "Deutsche Sportausschuss" gegründet, der für Gesamt-Berlin tätig werden soll. Dieser Deutsche Sportausschuss erfasst die verschiedenen Sportsparten als eine Art Dachverband. Der Deutsche Sportausschuss wird in den Westberliner Bezirken jedoch nie anerkannt. Die Struktur des Sports in den Westberliner Bezirken wird entsprechend der Strukturen in den Westzonen (spätere BRD) aufgebaut. Im Fußball wird Ende 1949 für Westberlin der Verband Berliner Ballspielvereine gegründet. Damit wird die alte Struktur des Deutschen Fußball Bund für Westberlin wieder eingeführt. In der DDR bzw. auf dem Gebiet von Ostberlin soll der Sport zukünftig den Betrieben angegliedert werden und es werden erste Ostzonenmeisterschaften organisiert. Als 1949 die BRD und die DDR gegründet werden, ist die Trennung des Spiel- und Sportbetriebes für Berlin unvermeidbar. In Berlin werden letzte gemeinsame Meisterschaften im Fußball bis zum Sommer 1950 und im Handball bis zum Sommer 1952 durchgeführt.  

Ab dem 01.04.1949 dürfen sich wieder Vereine auf dem Gebiet von Ostberlin gründen. Die Sportsparten der Sportgruppe Altgliencke beschließen, sich unter einem "gemeinsamen Dach" zu vereinigen. Es soll der Altglienicker Sport Verein (A.S.V.) gegründet werden. Die Anträge zur Gründung werden in der Vorstandsstizung am 22.03.1949 ausgefüllt.
In der Vorstandsstizung am 26.04.1949 teilt Willi Braune mit, dass der Antrag zur Vereinsgründung abgegeben wurde. Der Gründung des A.S.V. steht nichts mehr im Weg.
Durch Herrn Ronald Seifert erhielten wir im März 2017 die Mitgliedskarte eines Sportfreundes vom Altglienicker Sport Verein. Auf Grund des Textes auf der linken Seite kann man schlussfolgern, dass diese Mitgliedskarten erst nach dem 07.10.1949 angefertigt und ausgegeben wurden. Das Eintrittsdatum in den A.S.V. wurde rückwirkend zum 01.04.1949 vermerkt. Zu beachten ist jedoch, dass man für den 01.04.1949 noch die Bezeichnung SG Altglienicker SV wählte. Damit können wir wohl annehmen, dass die offizielle Vereinszulassung für den A.S.V. später als am 01.04.1949 erfolgte. Der Antrag auf Vereinszulassung erfolgte jedoch (siehe oben) vor dem 01.04.1949. Auf Grund dieser Überlappungen im Zeitfenster bezeichenen wird den Tag der Gründung des Altglienicker Sport Vereins heute weiterhin "ab 01.04.1949". Das werden wir so lange tun, bis wir irgendetwas schriftliches über die endgültige Zulassung gefunden haben.
Bis auf die Sportsparte Angeln schließen sich alle Sportsparten der SG Altglienicke dem A.S.V. an. Mit der Gründung des A.S.V. wird erstmalig in der Geschichte des Altglienicker Sports ein gemeinsamer Verein für alle ansässigen Sportarten gegründet. Durch die neue Struktur wird Altglienicke schnell zu einem Sportschwerpunkt im Ostteil von Berlin. Es wird beschlossen, in Altglienicke unter Leitung des A.S.V. und mittels Unterstützung der Altglienicker Bürger und der Nationalen Front ein neues Stadion einschl. eines Sportfunktionsgebäudes mit Kegelbahn zu errichten. Das ist der Startschuss für eine gigantische Eigenintiative der Altglienicker Bürger und Sportler. Es entsteht das Volksstadion Altglienicke am Alten Schönefelder Weg.
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