Politische Einflüsse - Chronik-Geschichte

- Chronik- Sportpolitik -
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DDR-Sport
1952-1961 Politische Beeinflussung der Vereinsarbeit
Nachdem am 27.04.1957 der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR gegründet wurde, werden alle Fachverbände und Vereine unter diesem Dachverband vereint. Die Zentralisierung bewirkt, dass die sozialistische Staats-Ideologie besser in den Sport getragen werden kann. Es gab Auflagen, in den zentralen Versammlungen gesellschaftliche Aspekte zu vermitteln. Der Vorstand hatte in jedem Bericht eine Einschätzung der politischen Situation vorzutragen. Diese Ausführungen schwankten zwischen allgemeinen Bemerkungen zur Weltpolitik und den Berichten über die gesellschaftlichen Positionen in der VSG. Nachfolgend einige Auszüge aus den Protokollen der Jahreshauptversammlungen vom 16.03.1958 und vom 21.03.1959. Wer an diesen Versammlungen teilgenommen hat, kann sich sicherlich an die Stimmung erinnern, die im Versammlungsraum herrschte als die Thematiken angesprochen wurden. Die Protokollausschnitte bleiben unkommentiert. Sie sind ein Abbild des Zeitgeistes bzw. belegen die damalige ideologische Situation, in die die Sportvereine in der DDR eingebunden waren.
Die Einbindung des Sports in die Politik prägten die 50er Jahre. Die VSG führte hierbei eine Gradwanderung durch, aber man blieb sich als private Sportgemeinschaft treu und stellte den Sport immer in den Mittelpunkt. Negieren konnte man jedoch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht. Es waren vielleicht die spannendsten Jahre in der Geschichte unseres Vereins. Auf unterster Ebene waren wir ein kleines passives Rädchen der Geschichte, die ab dem 13.08.1961 Deutschland über eine lange Zeit in einen wohl zwangsläufigen Status Quo der Weltpolitik eingebunden hat.

Es muss jedoch für die folgenden Jahre auch ein Fakt erwähnt bleiben. Der Sport hatte in der DDR immer eine große gesellschaftliche Bedeutung, egal wie man darüber denkt. Auch wir als privater Verein konnten jederzeit im System eingebettet unseren geliebten Vereinssport durchführen. Und wenn man heute aus einigen Ecken hört, wie schlecht es in der DDR gewesen ist, so muss man doch klar sagen... Wir hatten viel Spaß. Wir haben immer die Fahne des Volkssportes hoch gehalten. Wir sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Wir haben geweint und gelacht. Wir sind aber immer die VSGer geblieben.
Ab dem Jahr 1960 wird durch den DTSB angeordnet, dass Vereinswahlen als Blockwahlen durchzuführen sind. Das heisst, dass keine Einzelfunktionen durch die Mitgliedervesammlung gewählt werden, sondern dass zuerst alle Kandidaten im Block gewählt werden und die gewählten Mitglieder in einer ersten konstituierenden Sitzung am Wahltag die Funktionen festlegen. Damit wird gewährleistet, dass in die Führungspositionen keine "falschen" Sportfreunde gewählt werden. Bei der VSG wird diese neue Wahlordnung überaus gelassen gesehen. Im Wahlprotokoll vom 12.01.1960 gibt es hierzu einige Bemerkungen. Diese Wahlform wird bis zum Ende des DTSB beibehalten. Am 08.05.1992 wird bei der ersten Wahl nach der Wende wieder eine unmittelbare Funktionswahl durchgeführt.
Ende 1961 stellt die BSG AdW (damals BSG DAW) beim DTSB-Kreisvorstand einen Antrag auf Vereinigung mit der VSG Altglienicke. Das Ergebnis der Abstimmung in der VSG über den Antrag muss an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Im Jahresbericht von 1962 ist zu lesen:
1962-1980 Politische Beeinflussung der Vereinsarbeit
Gab es bis zur Grenzschließung 1961 bei Sportfesten und Freundschaftsspielen (z.B. Handballer) noch unregelmäßige Kontakte zu Vereinen aus Westberlin, so enden diese ab dem 13.August schlagartig. Die Trennung wird in kürzester Zeit zur Normalität. Der Spielbetrieb mit Vereinen aus Westberlin war dem Grunde nach bereits seit 1951/1952 vollständig unterbrochen, so dass die durch die politische Trennung erfolgte endgültige sportliche Trennung eher gelassen gesehen wurde.
In den 50er-Jahren gab es bereits vermehrt Auflagen an die Sportvereine zur Teilnahme an gesellschaftlichen Veranstaltungen. Nach dem 13. August gibt es eher konkretere Teilnehmerforderungen. Das ist bei der VSG recht schwer zu vermitteln und stößt auf Desinteresse. Im Rechenschaftsbericht von 1963 wird über die gewünschten Aufmarschaktivitäten berichtet.
Derartige Aufmarsch- und Demonstrationsteilnahmen relativieren sich bis Anfang der 80er-Jahre. Andere Auflagen seitens des DTSB sind jedoch permanent zu erfüllen. Dazu gehören u.a. der Nachweis von Werterhaltungsstunden, die Zahlung von Solidaritätsgeldern und das Ablegen des DDR-Sportabzeichen "Bereit zur Verteidigung der Heimat". Werden die Werterhaltungsstunden noch im Eigeninteresse geleistet, so werden die Aktivitäten zum Sportabzeichen in einer recht vereinfachten Form abgewickelt.
Vereinsintern gibt es eine Veränderungen bei den Kommissionen. Der seit 1946 bestehende Ältestenrat (ggf. in den Vorgängervereinen auch früher) wird nicht mehr gebildet. Ältestenrat hörte sich für DDR-Verhältnisse auch leicht bürgerlich an. Dafür wird eine Schiedskommission gebildet, in die jeweils ein Vertreter jeder Abteilung gewählt wird. Diese Form einer vom Vorstand unabhängigen Kommission mit Entscheidungsbefugnis wird nach 1990 übernommen, weil es den Vereinsstatuten eingetragener Vereine entspricht.
© VSG Altglienicke e.V.
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