Nachkriegsordnung - Chronik-Geschichte

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Mai 1945 bis Ende 1945- Der Wiederbeginn unter einem gemeinsamen Dach
Nach dem Ende des 2.Weltkrieges war die Erneuerung des Sportbetriebes dem Grunde nach eine sekundäre Sache für die Bevölkerung. Trotzdem gab es einige Sportaktivisten, die bereits Tage nach der Kapitulation den Sportbetrieb in Berlin und in Deutschland wieder aufbauen wollten. Wir versuchen auf dieser Seite, die Abläufe bei der Sportwiederbelebung ein wenig aufzulisten und die gesellschaftliche Entwicklung auf die Situation in Altglienicke zu adaptieren. Wir hoffen, dass wir bei dieser schwierigen Recherche so nah wie mögich an die Wahrheit kommen.  

In "Skorning- Fußball in Vergangenheit und Gegenwart" kann man über den Beginn des Fußballsportes unmittelbar nach dem Ende des Krieges einige interessante Daten finden. Über den Beginn des Handballs oder über die Aktivierung von Turnen und Gymnastik liegen uns derart detallierte Informationen leider noch nicht vor. Wir gehen aber davon aus, dass mit der Gründung des Hauptsportamtes im Juni 1945 auch diese Sportarten wieder auflebten. Nachfolgend eine kleine Zusammenstellung von Auszügen aus dem genannten Fußballbuch, aus denen wir unsere Verallgemeinerungen bzw. die Schnittstellen zum Altglienicker Sport ableiten.

- 13.05.1945 Spiel in Mühlbeck (Kreis Bitterfeld, Mannschaften unbekannt),
- 16.05.1945- Spiel in Berlin Spandau (Mannschaften unbekannt),
- ab 20.05.1945- Beginn eines regelmäßigen wöchentlichen, noch unorganisierten, Spielbetriebes verschiedener Mannschaften, jeweils am Sonntag,
- 03.06.1945- 1.Volkssportfest in den Berliner Stadtbezirken mit Fußballspielen u.a. auf dem Exer Schwarz/Rot gegen Schwarz/Weiß 2:1 und Stadion Buschallee Weißensee-Neukölln 2:1,
- Anfang Juni 1945 gründete sich unter dem Dach des neuen Berliner Magistrats mit dem "Hauptsportamt" eine erste zentrale Sportorganisation. Es wurden unter der Leitung von politischen Selbstverwaltungsorganen die "Kommunalen Sportgruppen" gebildet. Wahrscheinlich gründete sich zu diesem Zeitpunkt die kommunale Sportgruppe Altglienicke.
- 02.08.1945- Unterzeichnung des Potsdamer Abkommens mit dem Unterpunkt "Die Nationalsozialistische Partei mit ihren angeschlossenen Gliederungen und Unterorganisationen ist zu vernichten...." Dieser Befehl wird am 10.10.1945 und am 17.12.1945 in die Tat umgesetzt.
- 01.09.1945- Beginn des Rundenspielbetriebes in Berlin mit ca. 100 Mannschaften auf kommunaler Kreisebene,
- 30.09.1945- Erstes Städtespiel in Berlin: Berlin- Wittenberge 6:3 im Mommsen-Stadion,
- 10.10.1945- 2.Alliiertes Kontrollratsgesetz: "... Liqidierung aller faschistischen Einrichtungen..." u.a. auch der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen,
- 17.12.1945- Kontrollratsdirektive Nr. 23- "Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens"; Allen vor der Kapitulation in Deutschland bestehende sportliche, militärische oder paramilitärischne Organisationen wurde die Betätigung untersagt und ihre Auflösung bis zum 01.01.1946 angeordnet (damit auch die Fachämter und Vereine). Die Bildung von Sportorganisationen und die Durchführung des Sportbetriebes auf Kreisebene wurden erlaubt. Dieses war jedoch in Berlin mit den Aktivitäten des Hauptsportamtes bereits dem Grunde nach ab dem 01.09.1945 in die Praxis umgesetzt worden.
- Dezember 1945- Zahl der aktiven Sportler in Berlin- ca. 25.000 hauptsächlich Fußballer
Ein wichtiger Beleg dafür, dass der Sportbetrieb in Altglienicke bereits unmittelbar nach dem Krieg wieder aufgenommen wurde, ist die nachfolgende Eintrittskarte für ein Vereinsvergnügen am 30.05.1948 anlässlich des dritten Geburtstages der SG Altglienicke. Diese Eintrittskarte erhielten wir vom Bürgerverein Altglienicke.
Der 30.05.1948 wurde sicherlich aus organisatorischen Gründen gewählt. Es kann aber auch sein, dass sich am 30.05.1945 erstmalig wieder Altglienicker Sportler getroffen haben, um über die Zukunft des Sports in Altglienicke zu befinden.  
Nachdem ab Juni 1945 das neue Hauptsportamt für Berlin einen Spielbetrieb vorbereitet, werden auch in Altglienicke Fußballmannschaften und Handballmannschaften für diesen kommunalen Spielbetrieb zusammengestellt und gemeldet. Diese nehmen an diesem organisierten Spielrunden des kommunalen Spielbetriebes ab September 1945 teil.

Die erste Ansetzung für eine Altglienicker Fußballmannschaft findet man in der Berliner Zeitung vom 02.09.1945: Abschnitt Ost/ 1.Mannschaften: u.a. Alt-Glienicke gegen Lichtenberg-Nord.

Die erste Ansetzung für eine Altglienicker Handballmannschaft der Männer findet man in der Berliner Zeitung vom 23.09.1945: Kreuzberg II- Alt-Glienicke, Tib-Platz, Lilienthalstraße 17

Die erste Ansetzung für eine Altglienicker Handballmannschaft der Frauen findet man in der Berliner Zeitung vom 23.09.1945: Bohnsdorf- Alt-Glienicke, Am Buntzelberg.

Mit der 23. Kontrollratsdirektive vom 17.12.1945 werden auf Basis des 2. Kontrollratsgesetzes vom 10.10.1945 alle alten Vereine endgültig aufgelöst und es wird mit dieser 23. Kontrollratsdirektive durch die Alliierten die Genehmigung erteilt, dass sich kommunale Sportgruppen offiziell gründen dürfen (Quelle: Skorning, Fußball in Vergangenheit und Gegenwart). Die bereits seit Mai/Juni bestehende kommunale Sportgruppe Altglienicke wird somit als Organisation ab dem 17.12.1945 legitimiert. Somit hat man bei der VSG die offizielle Gründung der kommunalen Sportgruppe Altglienicke zum 01.01.1946 festgelegt. Protokolle von Sitzungen der Altglienicker Sportler aus den Jahren 1945 und 1946 liegen uns leider nicht vor, um diese Vorgänge noch exakter dokumentieren zu können.
1946 -1947 Der Spiel- und Sportbetrieb in Altglienicke wird stabil
Ab Jahr 1946 treffen sich die Sportsparten und die Spartenvorsitzenden weiterhin regelmäßig, um den Trainings- und Wettkampfbetrieb zu organisieren und abzusichern. Man trifft sich hauptsächlich in der Gaststätte Ebel (heute noch im Sprachgebrauch der Altglienicker "die stumpfe Ecke"; siehe nachfolgendes Foto). Fußballer, Handballer, Turner- Gymnastikfrauen und Schachspieler nehmen am kommunalen Wettspielbetrieb teil bzw. führen ihre Übungsabende durch. Ergebnisse von den Mannschaften haben wir sofern vorhanden auf den Seiten der Abteilungen aufgelistet.

1948 - Die Mehrspartenstruktur der SG Altglienicke bewährt sich
Am 01.01.1948 findet in der Gaststätte Ebel die jährliche Hauptversammlung der SG Altglienicke statt. Von dieser Sitzung liegt uns das erste Vorstandsprotokoll unseres Archivs vor. Diesem Protokoll kann man Informationen entnehmen, die über die Zeit von 1946 bis 1948 Auskunft geben. Im Protokoll wird auch eine "Sportgruppenleitung" erwähnt. Aus dieser Leitung entwickelt sich der spätere Vorstand des Altglienicker Sport Vereins.
Übrigens: Gepflegte Speisen und Getränke sowie historische Fotos von Altglienicke in den Gasträumen sind auch heute gute Gründe zum Besuch der Gaststätte Ebel.
Der Sportgruppenvorstand gibt bekannt, dass für den Sport in Altglienicke vor dem Krieg mehrere Sportanlagen genutzt wurden. Diese stehen nicht mehr zur Verfügung, so dass der Sportbetrieb zu dieser Zeit am Buntzelberg durchgeführt wird. Somit können wir an dieser Stelle schlußfolgern, dass alle bisherigen Sportanlagen wie Salierstraße/Bohnsdorfer Weg, Schwarzer Weg, Kiesberg und Grünauer Straße 55 nach dem Krieg nicht mehr vorhanden sind. Somit ist die Basis gegeben, über eine neue Sportanlage nachzudenken, die dann im Jahr 1951 als Volksstadion Altglienicke entsteht.
In alten Protokollen liest man über die Sportsparten Turnen, Gymnastik, Fußball, Handball, Kegeln, Tischtennis, Schach und Angeln. Gustav Rockel von den Fußballern teilt mit, dass in den letzten zwei Serien der Aufstieg aus der 2.Klasse nicht geschafft wurde. Auch die Handballer führen nach dem Krieg wieder einen regelmäßigen Sportbetrieb durch. Sportfreund Sadowski berichtet über die Anzahl der Mannschaften, die im Spielbetrieb stehen.
1949 - Die Gründung des Altglienicker S.V. wird vorbereitet; die Teilung des Berliner Sportbetriebes kündigt sich an
Im Juni 1948 wird in den Westberliner Bezirken die D-Mark eingeführt. Diese wirtschaftliche Trennung ist einer politischen Trennung gleichzusetzen. Damit kündigt sich auch die Trennung des gemeinsamen Berliner Sportbetriebes an. Am 01.10.1948 wird in Berlin unter dem Dach des FDGB und der FDJ der "Deutsche Sportausschuss" gegründet, der für Gesamt-Berlin tätig werden soll. Dieser Deutsche Sportausschuss erfasst die verschiedenen Sportsparten als eine Art Dachverband. Der Deutsche Sportausschuss wird in den Westberliner Bezirken jedoch nie anerkannt. Die Struktur des Sports in den Westberliner Bezirken wird entsprechend der Strukturen in den Westzonen (spätere BRD) aufgebaut. Im Fußball wird Ende 1949 für Westberlin der Verband Berliner Ballspielvereine gegründet. Damit wird die alte Struktur des Deutschen Fußball Bund für Westberlin wieder eingeführt. In der DDR bzw. auf dem Gebiet von Ostberlin soll der Sport zukünftig den Betrieben angegliedert werden und es werden erste Ostzonenmeisterschaften organisiert. Als 1949 die BRD und die DDR gegründet werden, ist die Trennung des Spiel- und Sportbetriebes für Berlin unvermeidbar. In Berlin werden letzte gemeinsame Meisterschaften im Fußball bis zum Sommer 1950 und im Handball bis zum Sommer 1952 durchgeführt.  

Ab dem 01.04.1949 dürfen sich wieder Vereine auf dem Gebiet von Ostberlin gründen. Die Sportsparten der Sportgruppe Altgliencke beschließen, sich unter einem Dachverein zu vereinigen. Es soll der Altglienicker Sport Verein (A.S.V.) gegründet werden. Die Anträge zur Gründung werden in der Vorstandsstizung am 22.03.1949 ausgefüllt.
In der Vorstandsstizung am 26.04.1949 teilt Willi Braune mit, dass der Antrag zur Vereinsgründung abgegeben wurde. Der Gründung des A.S.V. steht nichts mehr im Weg.
Durch Herrn Ronald Seifert erhielten wir im März 2017 die Mitgliedskarte eines Sportfreundes vom Altglienicker Sport Verein. Auf Grund des Textes auf der linken Seite kann man schlussfolgern, dass diese Mitgliedskarten erst nach dem 07.10.1949 angefertigt und ausgegeben wurden. Das Eintrittsdatum in den A.S.V. wurde rückwirkend zum 01.04.1949 vermerkt. Zu beachten ist jedoch, dass man für den 01.04.1949 noch die Bezeichnung SG Altglienicker SV wählte. Damit können wir wohl annehmen, dass die offizielle Vereinszulassung für den A.S.V. später als am 01.04.1949 erfolgte. Der Antrag auf Vereinszulassung erfolgte jedoch (siehe oben) vor dem 01.04.1949. Auf Grund dieser Überlappungen im Zeitfenster bezeichenen wird den Tag der Gründung des Altglienicker Sport Vereins heute weiterhin "ab 01.04.1949". Das werden wir so lange tun, bis wir irgendetwas schriftliches über die endgültige Zulassung gefunden haben.
Bis auf die Sportsparte Angeln schließen sich alle Sportsparten der SG Altglienicke dem A.S.V. an. Mit der Gründung des A.S.V. wird erstmalig in der Geschichte des Altglienicker Sports ein gemeinsamer Verein für alle ansässigen Sportarten gegründet. Durch die neue Struktur wird Altglienicke schnell zu einem Sportschwerpunkt im Ostteil von Berlin. Es wird beschlossen, in Altglienicke ein neues Stadion einschl. eines Sportfunktionsgebäudes mit Kegelbahn zu errichten. Das ist der Startschuss für eine gigantische Eigenintiative der Altglienicker Bürger und Sportler. Es entsteht das Volksstadion Altglienicke am Alten Schönefelder Weg.
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