VSG Altglienicke e.V. Chronik-Geschichte


Direkt zum Seiteninhalt

1980-1989

die 80er Jahre- VSG Altglienicke

Am 01.09.1980 wird die alte Sporthalle der 14.Grundschule durch ein neues Sporthallengebäude ersetzt. Damit endet nach ca. 66 Jahren der Sportbetrieb in dieser historischen Sporthalle, die danach in einen Essenraum umgewandelt wird.

Die Traditionspflege hatte in der VSG Altglienicke immer einen recht hohen Stellenwert, auch wenn man sie zu DDR-Zeiten nicht so richtig ausleben konnte. Immerhin waren zwei Gründervereine bürgerliche Sportvereine, deren geschichtliche Herkunft in der DDR möglicherweise nicht so gern gesehen war. So rang man sich durch, im Jahr 1981 an 75 Jahre Sport in Altglienicke zu erinnern. Dabei bezog man sich auf das Jahr 1906, in dem nachweislich Arbeitersportvereine gegründet wurden. Das war unkritisch. Ob die Entscheidungen des damaligen Vorstandes wirklich auf diesen Überlegungen basierten, können wir heute nicht mehr definitiv sagen, aber wir denken ganz nah an der Wahrheit zu sein. Anläßlich dieses 75-jährigen Jubiläums schaffte man es, ein Erinnerungsglas mit Aufkleber herzustellen. Sensationell ! Eigentlich zu DDR-Zeiten eine echte Meisterleistung. Da kannte wohl jemand irgendjemand, der Beziehungen zu einer Firma hatte, die so etwas herstellte. Eine schöne Erinnerung und der Beweis, dass Werbung auch in der DDR möglich war. Wir wissen nicht mehr, wie hoch die Stückzahl dieser VSG-Kostbarkeit war. Die Gläser waren jedenfalls in kürzester Zeit vergriffen.

Liest man sich die 100 Vorstandsprotokolle von 1980 bis 1989 durch, so kommt es einem vor, als hat man die Meldungen der Aktuellen Kamera des DDR-Fernsehens vor sich. Es ist eine völlig unspannende Zeit. Der Sportbetrieb läuft wie immer normal ab- mit allen Höhen und Tiefen. Die wesentlichen Inhalte der Protokolle haben fast immer die gleichen Themen. Es geht um die Werterhaltung im Sportheim und auf dem Platz sowie um die Erfüllung der staatlichen Auflagen. Jedes Protokoll gibt einen Überblick über die geleisteten VMI-Stunden und über die Einhaltung des Pflegevertrages. Berichte werden gegeben über die abgelegten Sportabzeichen und über die Beitragskassierung für den DTSB einschl. Höhe der Rücklaufgelder und die Höhe des Spendenaufkommens. Wichtig sind auch die Feiern oder Sportfeste, wie z.B. WBA-Feste, Frühlingsläufe, Feiern zur Gründung der DDR. Aber auch die Organisation der vereinsinternen Veranstaltungen nehmen einen großen Platz auf den Blättern der Protokolle ein. Ab und zu findet man jedoch auch kleine, lustige oder nachdenkliche Beiträge in den Protokollen, die einen gesonderten Kommentar verlangen.

Bei der Vorbereitung von Sportfesten oder geselligen Veranstaltungen wurde 1983 in der VSG ein sogenannter "Vergnügungsausschuss" gebildet. Wie würde man heute diesen Begriff nur interpretieren?

Derartige Veranstalgungen mussten außer beim Sportamt noch offiziell gemeldet werden. Hierzu gab es eine Instanz, die im nachfolgenden Vorstandsprotokoll vom 19.05.1983 erwähnt wurde. Abteilung "Erlaubniswesen" was es nicht alles gab?!

Zur zentralen Berliner Maidemonstration am 01.05.1983 musste die VSG einige Teilnehmer stellen. Die Abteilung Fußball war bereit, eine Delegation von Jugendlichen zu verpflichten. Das war ein genialer Gedanke. Leider hatten die Teilnehmer am Abend vorher wahrscheinlich eine lustige Feier. Unsere Teilnehmer erschienen bei strömenden Regen in sehr salopper Kleidung (jemand soll wohl einen fürchterlichen Regenmantel angehabt haben, der heute an Monsterfilme erinnern würde). Kurz vor dem Vorbeimarsch an der Partei- und Staatsführung wurde diese sogenannte Zusammenrottung aus dem Marschblock entfernt. Politisch korrekt wertete der Vorstand diesen unglaublichen Vorgang in der Vorstandssitzung vom 19.05.1983 mit nachfolgender Protokolleintragung aus.

Dieser Chronikeintrag erscheint vielleicht etwas banal, aber wenn man einmal in Ruhe nachdenkt, kann man vielleicht nachempfinden, dass viele staatlich verordnete Dinge zu dieser Zeit bereits überaus lächerlich betrachtet wurden und man eigentlich nur darüber lachen konnte. Der Vorstand hat die Angelegenheit locker abgetan. Ob das in den 50er-Jahren auch so hätte bewertet werden können?

Im Jahr 1983 versucht die VSG Kontakt mit den Schulen aufzunehmen, um Kinder für den Sport zu werben. Die Schulen verbieten der VSG, in die Klassen zu gehen. Im Vorstandsprotokoll wird der Vorgang protokolliert.

Das DDR-Sportsystem ist auf Kadersuche aus. Kleine Sportvereine stehen hinten an. Aber trotzdem bietet die VSG immer wieder neue Möglichkeiten an. Im Jahr 1988 versuchen die Gymnastikfrauen eine Gruppe Kinderturnen anzubieten.

Das Kleinkinderturnen ist der Abteilung Gymnastik seit vielen Jahren angegliedert. Es existierte jedoch immer nur zeitlich begrenzt. Eine ausführliche Darstellung zu den Aktvitäten, Erfolgen und Rückschlägen beim Kinderturnen ist der Seite "Chronik" "Abteilungen" "Gymnstik" zu entnehmen.

Im Jahr 1987 wird die VSG ausgezeichnet- wofür ? Sie wird ausgezeichnet als beste Sportstätte des Stadtbezirks Treptow. Sicherlich wegen dem unermüdlichen Einsatz zur Werterhaltung der Sportstätte, weil es dem Grunde nach unsere ist. Die Prämie wird zweckgebunden verwendet. Ob es die DDR-Heckenscheere heute noch gibt???

Am 30.05.1987 wird auf dem Sportplatz ein Sport- und Bürgerfest anlässlich der 750-Jahrfeier von Berlin durchgeführt. Die Organisation liegt voll in der Hand der VSG Altglienicke. Ausführlich über dieses Sportfest berichten wir auf der Seite Sportfeste 1987.

Im Jahr 1987 begann der verstärkte Wohnungsbau in Altglienicke. In der Vorstandssitzung vom 10.12.1987 wird eingeschätzt, dass auf die VSG neue Aufgaben warten. Die VSG erwartet einen starken Zulauf neuer Mitglieder.

Zu diesem Zeitpunkt zeichnet sich ab, dass sich die Überbelegung des Rasenplatzes noch verstärken wird. Bereits seit Anfang der 80er Jahre gibt es seitens der VSG Bestrebungen, die Zeiteinschränkungen für die Rasenplatzbenutzung aufzuweichen.

Diese Thema bleibt bis zum 06.06.2003 Chefsache. Dann wird die Entscheidung zum Umbau des Volksstadions durch die Abteilungen getroffen.

Anfang 1989 erhält die VSG Altglienicke ein Schreiben des DTSB-Kreisvorstandes Treptow mit Weisungen zur Zuständigkeit der Beantragung und zur Durchführung von Sportfahrten in das sozialistische Ausland. Sportfahren in das kapitalistische Ausland sind in diesem Schreiben natürlich nicht aufgeführt. Jedoch werden Hinweise gegeben, die bei gemeinsamen Sportveranstaltungen mit NSW-Mannschaften (NSW = Nicht Sozialistisches Weltsystem) zu beachten sind. Derartige Zusammentreffen sind bei Sportveranstaltungen in den "Bruderländern" nicht ausgeschlossen. Wir haben dieses aus erster Sicht eigentlich unwichtige Schreiben in die Rubrik "Geschichte" mit aufgenommen, da hier einige eindeutige politische Dinge für Sportvereine in der DDR aufgeführt sind. Es ist uns nicht mehr bekannt, ob eine Mannschaft der VSG in dieser Zeit eine Sportreise in die "Bruderländer" unternommen hat- wohl eher nicht. Da die Textteile dieses in ORMIG-Kopie erstellten Schreibens auch mit maximaler Scannerauflösung nahezu nicht zu lesen sind, haben wir Teile nachfolgend nochmals als schwarz-kursiv Auszug angefügt.

......
Ziffer 3: Folgende Grundsätze im internationalen Sportverkehr sind bei der Planerstellung und -bestätigung zu beachten:
- Im Prinzip sollte eine Mannschaft im Jahr nur einen internationalen Vergleich mit einer Partnerorganisation bzw. -mannschaft durchführen (Rückkampf im nächsten Jahr),
- Grundlage für die Aufnahme von Begegnungen mit der VRPolen und der CSSR in die Planung sind
bestehende Partnerschaften zwischen Sportgemeinschaften der Länder. Unser Kommentar hierzu: und wer bisher keine hatte, darf nicht.
- Die internationalen Sportbeziehungen zur UdSSR, UVR, VRB und SFR erfolgen
vorwiegend im Rahmen von Partnerbeziehungen der Hauptstädte, Partnerschafts- und Freundschaftsbeziehungen von Betrieben, Institutionen und Einrichtungen dieser Länder bzw. traditioneller Verbindungen. Unser Kommentar hierzu: Sportvereine sind damit eigentlich ausgeschlossen.
- Die internationalen Sportbeziehungen tragen vorwiegend bilateralen Charakter.
Unser Kommentar hierzu: Dritte sollten wohl nicht beteiligt sein.
.......

Ziffer 4: Über die Teilnahme von Mannschaften bei Wettkämpfen im sozialistischen Ausland, an denen auch Mannschaften aus dem NSW beteiligt sind, entscheidet das
Sekretariat des Bezirksvorstandes. Unser Kommentar hierzu: Wenn Wessis dabei sind geht garnichts.

Ziffer 5: Verfahrensweise zur Erteilung der Start- und Spielgenehmigungen für die VR Polen und die CSSR ab 01.01.1989
a) Die Sportgemeinschaften des Territoriums reichen bis..... die Anträge .... an den Kreisvorstand ein. Zuvor müssen diese Anträge von der BSG-Leitung und dem BFA bestätigt sein.
Unser Kommentar hierzu: Die VSG hatte keine BSG-Leitung nur einen Vereinsvorstand.
........
c) Die Anträge müssen als Anlagen die Konzeption der sportlichen und politisch-organisatorischen Vorbereitung, die Finanzierungsquellen, den Delegationsleiter, die Teilnehmerlisten und bei der Einreise von Delegationen das Aufenthaltsprogramm, Zeit- und Spielplan enthalten.
d) Für die Aus- bzw. Einreise von Mannschaften in die VRPolen bzw. aus der VRPolen sind für den Grenzübertritt Bestätigungsschreiben auf Kopfbögen mit Unterschrift und Siegel des Bezirksvorstandes erforderlich.........
e) 10 Tage nach erfolgtem Wettkampf sind 2 Exemplare des Berichtsbogens über den durchgeführten Wettkampf im Kreisvorstand abzugeben.
f) Über Anträge für Wettkämpfe mit NSW-Sportlern entscheidet nach wie vor das Sekretariat des Bezirksvorstandes. Diese Anträge sind wie bisher mit den entsprechenden Bestätigungsvermerken, der Begründung und allen Unterlagen quartalsweise an die Abteilung PKJ des Bezirksvorstandes zur Bestätigung einzureichen.
Unser Kommentar hierzu: PKJ- da wo "P" drinn steht, war wohl Partei mit dabei (kann aber auch falsch sein).
......
g) Die Kommission Internationale Arbeit des Kreisvorstandes schult Delegationsleiter, gibt Anleitungen bei der politisch- ideologischen Vorbereitung der Wettkämpfe und kontrolliert die Durchführung der Einweisungsgespräche.
Unser Kommentar hierzu: so etwas hat es bei der VSG wohl nie gegeben.

Ein schöner Rückblick in die Geschichte des Vereinssports in der DDR. Stand die Nachweisführung für Sportfahrten damals unter einem extrem politischen Aspekt, so sind die Nachweise für heutige Sportfahrten (nach der Wende) ausschließlich unter versicherungstechnischen Gesichtspunkten zu führen. Das ist nicht viel einfacher.

1989 wird für die gesamte DDR ein Jahr des Neubeginns. Sofort nach Öffnung der Grenze von Ungarn nach Österreich durch den Ungarn Gyula Horn und den Österreicher Alois Mock am 27.06.1989 hat dieses auch Auswirkungen auf das Leben in der VSG. Einige Sportfreunde verlassen uns ohne zu vermuten, dass man sich wenige Monate später wieder sehen wird. Das Vereinsleben und der Sportbetrieb gehen weiter, denn das war und ist immer für uns VSGer das Wichtigste. Am Tag vor der Maueröffnung findet am 08.November 1989 eine völlig normale Vorstandssitzung statt, in der die üblichen Themen behandelt werden. In der Vorstandssitzung am 07.Dezember 1989 wird jedoch erstmalig nach 28 Jahren das Wort "Berlin-West" wieder aufgeschrieben.

Nachdem die Abteilungsvertreter hierzu ihre Meinung gesagt haben, die nicht wesentlich sind, geht man zur Tagesordnung über. Ein Auszug vom Schluss des Protokolls vom 07.12.1989 zeigt die Unaufgeregtheit seitens des Vereins unabhängig von den persönlichen Gefühlen, die jeder Einzelne in dieser irren Zeit hatte.

Eigentlich alles völlig normal und gelassen. Der Satz aus dem Protokoll vom 31.01.1949 "...Hauptsache sei, der Sport gehe weiter..." behält seine Gültigkeit. Die nächsten Monate und Jahre erfordern aber diese Gelassenheit, ohne die man die Anforderungen in den 90er-Jahre nicht hätte bewältigen können.

Einleitung | 1810-1899 | 1900-1905 | 1906-1908 | 1909-1912 | 1913-1918 | 1919-1921 | 1922-1923 | 1924-1927 | 1928-1932 | 1933-1934 | 1935-1938 | 1939-1945(1) | 1945(2)-1949 | 1950-1951 | 1952-1959 | 1960-1969 | 1970-1979 | 1980-1989 | 1990-1999 | 2000-2009 | 2010-2017 | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü