VSG Altglienicke e.V. Chronik-Geschichte


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1945(2)-1949

1945 (ab Mai)- Sportgruppe Altglienicke

Im Zusammenhang mit der Aufnahme unseres Vereines in ein Lexikon für Treptow/Köpenick erhielten wir 2007 durch den verantwortlichen Redakteur nachfolgende Information über die geschichtlichen Zusammenhänge der Vereinsauflösungen nach dem zweiten Weltkrieg.


"Da alle deutschen Sportvereine Gliederungen des NS-Reichsbundes für Leibesübungen waren (seit Dez. 1937) galten sie dem Alliierten Kontrollrat als Gliederungen der NSDAP und wurden mit KR-Gesetz Nr. 2 vom 10.10.45 aufgelöst. Organisierter Sport war seitdem in Deutschland nur möglich in Kommunalen Sportgruppen, die als Untergruppen des Bezirksamts galten. Die Alliierte Kommandantur für Berlin ließ aber durch eine Order im April 1947 wieder nicht-politische Vereine zu. Im Sowjetischen Sektor wurde die Realisierung der mit-beschlossenen Order aber so lange auf die lange Bank geschoben, bis sich am 1.10.48 der Deutsche Sportausschuss als oberstes Leitungsorgan für künftige Vereine in der SBZ konstituiert hatte. Erst im Februar 1948 gründete sich für Berlin (dem Anspruch nach für ganz Berlin, real aber nur für Ost-Berlin) der Landessportausschuss Groß-Berlin, und danach gab die Sowjetische Stadtkommandantur grünes Licht für die Realisierung der Order vom April 47: die Bezirksämter konnten Zulassungen für Vereine erteilen. "

Hinsichtlich der Wiederaufnahme des Sportbetriebes in Altglienicke gibt es einige Dinge, die uns derzeit noch ein wenig unklar erscheinen.

Mit dem 2. Alliierten Kontrollratsgesetz vom 10.10.1945 wurde der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen einschl. seiner Fachämter und Vereine aufgelöst (siehe oben). Bereits im Juni 1945 findet man jedoch in den damaligen Tageszeitungen Ansetzungen für Fußball, Handball und Hockey. Die Mannschaften führen nur Ortsnamen wie z.B. Wilmersdorf, Tempelhof oder auch Altglienicke. Hieraus ergibt sich für uns die erste Frage. Warum verwendete man im Juni 1945 bereits die Sportgruppenbezeichnungen, wenn die Vereine des NSRL erst im Oktober 1945 verboten wurden? Ggf. gab es eine gesonderte Alliierte Anordnung, die alten Vereinsnamen nicht mehr zu verwenden?

Die erste Ansetzung für eine Altglienicker Fußballmannschaft findet man in der Berliner Zeitung vom 02.09.1945: Abschnitt Ost/ 1.Mannschaften: u.a. Alt-Glienicke gegen Lichtenberg-Nord.

Die erste Ansetzung für eine Altglienicker
Handballmannschaft der Männer findet man in der Berliner Zeitung vom 23.09.1945: Kreuzberg II- Alt-Glienicke, Tib-Platz, Lilienthalstraße 17

Die erste Ansetzung für eine Altglienicker
Handballmannschaft der Frauen findet man in der Berliner Zeitung vom 23.09.1945: Bohnsdorf- Alt-Glienicke, Am Buntzelberg.

Streng betrachtet könnte man also davon ausgehen, dass der Aufbau der Struktur der kommunalen Sportgruppen und die Bildung von Mannschaften vor Auflösung der alten Vereine im Oktober 1945 dem Grunde nach durch die Alliierten genehmigt wurden, eine Vereinigung von Sportlern im Sinne einer "Pseudo-Vereinsgründung" jedoch erst nach dem 10.10.1945 offiziell auf dem Papier möglich war. Demzufolge hat man bei der VSG eine Gründung der SG Altglienicke zum 01.01.1946 festgelegt, trotzdem diese eigentlich schon Ende Sommer 1945 stattgefunden haben müsste. Protokolle von Sitzungen der Altglienicker Sportler liegen erst ab 1948 vor, so dass wir über diese Vorgänge im Jahr 1945 bis Anfang 1946 leider keine Informationen besitzen.

Ein weiterer Beleg dafür, dass man bereits 1945 wieder Sport unter einem Namen SG Altglienicke betrieben hat, ist eine Eintrittskarte zum 3-jährigen Jubiläum der SG Altglienicke aus dem Jahr 1948. Diese Eintrittskarte erhielten wir vom Bürgerverein Altglienicke.

Diese Geburtstagsfeier wird am 30.05.1948 durchgeführt. So könnte man annehmen, dass die SG Altglienicke-Gründung bereits im Mai 1945 stattgefunden hat. Wir interpretieren dieses Datum jedoch so, dass man sich im Mai 1945 getroffen und geprüft hat, ob man Mannschaften für einen Spielbetrieb melden kann einschl. der Festlegung von sportlichen Leitungen. Nach den Vereinsauflösungen am 10.10.1945 hat man dann einen Antrag für eine offizielle Sportgruppe gestellt, die aus den sogenannten Sportsparten bestand und eine gemeinsame Spartenleitung besaß. Den 30.05.1945 hat man später als den Gründungstag festgelegt, weil nach dem Krieg erstmalig an diesem Tag wieder über Sport in Altglienicke nachgedacht und beraten wurde. Die SG Altglienicke-Struktur (egal wann sie auch immer beschlossen wurde) bildete dann die Basis für die Struktur des neuen gemeinsamen Vereins, dem Altglienicker Sportverein.

1946-1947- Sportgruppe Altglienicke

Unabhängig von der gewissen Unklarheit über den Wiederbeginn des Sports in Altglienicke im Jahr 1945 treffen sich die Sportsparten und die Spartenvorsitzenden ab 1946 regelmäßig, um den Trainings- und Wettkampfbetrieb zu organisieren und abzusichern. Man trifft sich hauptsächlich in der Gaststätte Ebel (heute noch im Sprachgebrauch der Altglienicker "die stumpfe Ecke"). Fußballer, Handballer, Turner- Gymnastikfrauen und Schachspieler nehmen am kommunalen Wettspielbetrieb teil bzw. führen ihre Übungsabende durch. Ergebnisse von den Mannschaften sind teilweise in den Tageszeitungen zu finden. Wir werden diese hier an dieser Stelle nicht aufführen (ggf. später, wenn aussagefähige Infos vorliegen). Bis dahin sind Infos den Seiten der Abteilungen zu entnehmen (derzeit allerdings noch voll in der Recherche).

1948- Sportgruppe Altglienicke

Am 01.01.1948 findet in der Gaststätte Ebel die jährliche Hauptversammlung der SG Altglienicke statt. Von dieser Sitzung liegt uns das erste Vorstandsprotokoll unseres Archivs vor. Diesem Protokoll kann man Informationen entnehmen, die über die Zeit von 1946 bis 1948 Auskunft geben. Im Protokoll wird auch eine "Sportgruppenleitung" erwähnt. Aus dieser Leitung entwickelt sich der spätere Vorstand des Altglienicker Sportvereins.
Übrigens: Gepflegte Speisen und Getränke sowie historische Fotos von Altglienicke in den Gasträumen sind auch heute gute Gründe zum Besuch der Gaststätte Ebel.

Der Sportgruppenvorstand gibt bekannt, dass für den Sport in Altglienicke vor dem Krieg mehrere Sportanlagen genutzt wurden. Diese stehen nicht mehr zur Verfügung, so dass der Sportbetrieb zu dieser Zeit am Buntzelberg durchgeführt wird. Somit können wir an dieser Stelle schlußfolgern, dass alle bisherigen Sportanlagen wie Salierstraße/Bohnsdorfer Weg, Schwarzer Weg, Kiesberg und Grünauer Straße 55 nach dem Krieg nicht mehr vorhanden sind. Somit ist die Basis gegeben, über eine neue Sportanlage nachzudenken, die dann im Jahr 1951 als Volksstadion Altglienicke entsteht.

In alten Protokollen liest man über die Sportsparten Turnen, Gymnastik, Fußball, Handball, Kegeln, Tischtennis, Schach und Angeln. Gustav Rockel von den Fußballern teilt mit, dass in den letzten zwei Serien der Aufstieg aus der 2.Klasse nicht geschafft wurde.

Auch die Handballer führen nach dem Krieg wieder einen regelmäßigen Sportbetrieb durch. Sportfreund Sadowski berichtet über die Anzahl der Mannschaften, die im Spielbetrieb stehen. Von drei Mannschaften besitzen wir Fotos. Geschichtlich wertvolle Aufnahmen wurden damals von den Handballfrauen von 1946, den Männern von 1947 und von den Nachwuchshandballern von 1948 gemacht. Von den Nachwuchshandballern besitzen wir die nachfolgenden Dokumente, die über eine Teilnahme an den Berliner Jugendspielen berichten.

1949- Altglienicker Sportverein

Ab dem 01.04.1949 dürfen sich wieder Vereine auf dem Gebiet von Ostberlin gründen (Quelle: siehe oben). Bemerkenswert ist jedoch, dass z.B. die Ostberliner Vereine Concordia Wilhelmsruh oder Adlershofer BC 08 bereits vor diesem Datum wieder unter ihrem alten Vereinsnamen starten dürfen (Quelle: Berliner Zeitung). Die Sportsparten der Sportgruppe Altgliencke beschließen, sich unter einem Dachverein zu vereinigen. Es soll der Altglienicker Sportverein (ASV) gegründet werden. Die Anträge zur Gründung werden in der Vorstandsstizung am 22.03.1949 ausgefüllt.

In der Vorstandsstizung am 26.04.1949 teilt Willi Braune mit, dass der Antrag zur Vereinsgründung abgegeben wurde. Der Gründung des ASV steht nichts mehr im Weg.

Durch Herrn Ronald Seiffert erhielten wir im März 2017 die Mitgliedskarte eines Sportfreundes vom Altglienicker SV. Auf Grund des Textes auf der linken Seite kann man schlussfolgern, dass diese Mitgliedskarten erst nach dem 07.10.1949 angefertigt und ausgegeben wurden. Das Eintrittsdatum in den ASV wurde rückwirkend zum 01.04.1949 vermerkt. Zu beachten ist jedoch, dass man für den 01.04.1949 noch die Bezeichnung SG Altglienicker SV wählte. Damit können wir wohl annehmen, dass die offizielle Vereinszulassung für den ASV später als am 01.04.1949 erfolgte. Der Antrag auf Vereinszulassung erfolgte jedoch (siehe oben) vor dem 01.04.1949. Auf Grund dieser Überlappungen im Zeitfenster bezeichenen wird den Tag der Gründung des Altglienicker SV heute weiterhin "ab 01.04.1949". Das werden wir so lange tun, bis wir irgendetwas schriftliches über die endgültige Zulassung gefunden haben.

Bis auf die Sportsparte Angeln schließen sich alle Sportsparten dem ASV an. Mit der Gründung des ASV wird erstmalig in der Geschichte des Altglienicker Sports ein gemeinsamer Verein für alle ansässigen Sportarten gegründet. Durch die neue Struktur wird Altglienicke schnell zu einem Sportschwerpunkt im Ostteil von Berlin. Es wird beschlossen, in Altglienicke ein neues Stadion einschl. eines Sportfunktionsgebäudes mit Kegelbahn zu errichten. Das ist der Startschuss für eine gigantische Eigenintiative der Altglienicker Bürger und Sportler. Es entsteht das Volksstadion Altglienicke am Alten Schönefelder Weg.

Zum Abschluss dieses Zeitfensters können wir mit Freude ein Foto eines Originaltrikots des ASV mit Vereinsabzeichen veröffentichen. Dieses Trikot stellte uns unser Vereinsmitglied Siegfried Kulla zur Verfügung. Daneben ein Foto einer Fußballmannschaft des ASV. Es handelt sich wahrscheinlich um die damalige 2.Mannschaft (mit G. Radke und A. Wittwer).

Mit dem Inkraftsetzen des Grundgesetzes wird am 23.04.1949 die Bundesrepublik Deutschland im Gebiet der Westzonen einschl. Westberlin gegründet. Am 07.10.1949 wird die DDR im Gebiet der Ostzone und Ostberlin gegründet. Mit der endgültigen Teilung Deutschlands wird auch der Sport getrennt. Auf dem Gebiet der zukünftigen DDR wurde bereits am 01.10.1948 der Deutsche Sportausschuss gegründet. Für die in Altglienicke betriebenen Sportarten verläuft die Entwicklung der Sportverbände wie nachfolgend aufgeführt.
Im Fußball wird 1948 eine Ostzonenmeisterschaft ausgetragen. Als 1949 in Westberlin der V.B.B. wieder gegründet wird, werden die Ostberliner Mannschaft von diesem Spielbetrieb zurück gezogen und einige Mannschaften werden in die ab 1949 gegründeten Oberliga der DDR eingereiht. Von diesem Zeitpunkt an spielen auch die unteren Klassen getrennt in Ost- und Westberlin. Am 07.03.1950 wird innerhalb des Deutschen Sportausschusses der Fachausschuss Fußball gebildet, der 1951 in Sektion Fußball umbenannt wird. Am 27.04.1957 wird der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR gegründet. Der Deutsche Fußballverband der DDR wird innerhalb des DTSB am 17.05.1958 in Berlin gegründet.
Die Entwicklung des Handballs in der DDR verlief identisch mit der Entwicklung des Fußballs. Am 15.11.1949 wurde der BFA Handball für Ostberlin gegründet. Die Trennung des Spielbetriebes Ostberlin-Westberlin erfolgt nach der Saison 1951-1952. Der Handballverband der DDR wurde am 21.06.1958 in Halle unter dem Dach des DTSB als Nachfolgeorganisation der Sektion Handball des Deutschen Sportausschusses gebildet.
In der Sportart Turnen/Gymnastik wurde der Deutsche Turnverband der DDR am 03.05.1958 unter dem Dach des DTSB in Berlin gegründet.
Der Deutsche Keglerverband der DDR wurde 1949 unter der Dachorganisation des Deutschen Sportausschusses gegründet. Ab diesem Jahr wurden eigene Meisterschaften im DDR-Maßstab ausgetragen. Der Deutsche Keglerverband der DDR wurde am 30.03.1958 in Leipzig in den Dachverband des DTSB der DDR übernommen.

Die regionale und politische Trennung des Sportes beeinflusst den Sportbetrieb in Altglienicke unwesentlich. Die Durchführung des Sportbetriebes steht unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen wie immer im Vordergrund. Man richtet sich ein. Schwerpunkt der nächsten Jahre ist die Schaffung einer Sportanlage, um einen kontinuierlichen Sportbetrieb absichern zu können.

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