VSG Altglienicke e.V. Chronik-Geschichte


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1810-1899

Da der erste organisierte Verein in Altglienicke ein bürgerlicher Turnverein war, wollen wir mit einigen Informationen über die Entstehung der Dachorganisation beginnen.
Begründer der deutschen Turnbewegung war Friedrich Ludwig Jahn (11.08.1778 bis 15.10.1852). Er gründete am 18.11.1810 den Deutschen Bund, der das Ziel hatte mit Schülern Wanderungen und Turnen durchzuführen. 1811 schuf er den ersten Turnplatz in der Berliner Hasenheide. Sein Motto war Frisch, Fröhlig, Fromm und Frei. Diese vier "F" wurden zum Symbol des Deutschen Turnerbundes. Der Deutsche Turnerbund selbst wurde 1848 in Hanau gegründet aus dem 1868 die Deutsche Turnerschaft unter dem Vorsitz von Theodor Georgii und Ferdinand Götz als Dachverband für die bürgerlichen Turnvereine entstand. (Quelle: Wikipedia verschiedene). Ein Erinnerung an den ersten Turnplatz mit einem Jahn-Denkmal findet man heute in der Hasenheide. Ein Besuch lohnt sich. (Foto: privat bei Besichtigung)

1883- MTV Spieß Altglienicke

Am 12.07.1883 wurde in Altglienicke der Männer Turn Verein Spieß Altglienicke (MTV) gegründet. Belegt wird dieses Datum durch die alte Vereinsfahne des MTV Spieß von 1933, die noch im Besitz der VSG Altglienicke ist, sowie durch einen Zeitungsausschnitt aus der Kreiszeitung der Deutschen Turnerschaft aus dem Jahr 1908. In diesem Zeitungsartikel wird aus Anlass des 25. Gründungsjahres des MTV nochmal an den Beginn der Vereinstätigkeit erinnert. (Quelle: Staatsbibliothek, Kreisblatt für den Deutschen Turnkreis III b- Brandenburg, Jahrgang 1908).

Nachfolgend der erwähnte Zeitungsausschnitt sowie ein frühes Foto der Turner und eines der ersten Vereinsabzeichen. Auf dem Foto ist die erste Vereinsfahne des MTV zu erkennen. 1933 wurde eine neue Fahne geweiht. Das Foto wurde höchstwahrscheinlich auf dem Festplatz Friedrichstraße oder im Garten des Vereinslokals Haberecht aufgenommen.

Warum taucht im Vereinsnamen des MTV der Name "Spieß" auf ? Die nachfolgenden Informationen erläutern dieses. Viele Vereine wählten den Namen oder Veineinsnamenzusatz "Jahn" in Erinnerung an den Turnvater. Der MTV erinnert mit seinem Vereinsnamen an Adolf Spieß, der sich ebenfalls mit der Entwicklung des Turnsportes in Deutschland befasste.

Adolf Spieß, geboren am 03.02.1810 in Lauterbach, veröffentlichte in den Jahren 1840-1846 die Bücher „Die Lehre der Turnkunst“. 1847-1851 erstellte er das Buch „Turnbuch für die Schulen“. Jahns und Spieß´ Bestrebungen führten zur Bildung von Turngemeinden bzw. zum durchorganisierten Schulturnen. (Quelle: Wikipedia verschiedene).
Über Adolf Spieß ist in der Ausgabe von 1875 in Meyers Lexikon Nachfolgendes zu lesen (die Genehmigung zur Veröffentlichung wurde uns durch die Abteilung Rechte und Lizenzen des Verlages erteilt).

Um die nachfolgenden Informationen über die sportlichen Aktivitäten im MTV Spieß Altglienicke zu verstehen, muss man die Struktur der Deutschen Turnerschaft kennen.
Die Deutsche Turnerschaft bildete den Deutschland weiten Dachverband aller bürgerlichen Turnvereine. Als zentrale Sportveranstaltung der Deutschen Turnerschaft wurden die Deutschen Turnfeste ab 1860 organisiert (erstes Deutsches Turnfest 16.-19.06.1860 in Coburg- Quelle: Wikipedia).


Innerhalb der Deutschen Turnerschaft wurden die Regionen und Landesverbände in Turnkreise untergliedert. Diese Turnkreise führten die Kreissportfeste durch, an denen die Sportler des jeweiligen Kreises teilnehmen durften. Die Turnvereine der Mark Brandenburg wurden dem Turnkreis IIIb- Brandenburg zugeordnet. Das erste Kreisturnfest des Turnkreises III b fand 1877 in Forst statt (Quelle: Staatsbibliothek Kreisblatt DT IIIb, Jahrgang 1912). Der Turnkreis III b-Brandenburg untergliederte sich in sechs Turnbezirke, die mit römischen Zahlen gelistet wurden. Dieses waren: röm1-Mitte, röm2-Westen, röm3-Norden, röm4-Nordosten, röm5--Osten, röm6-Südost. Zu diesen einzelnen Turnbezirken gehörten jeweils eine Vielzahl von Turngauen, in denen die jeweiligen örtlichen Einzelvereine aufgenommen wurden. Im Turnbezirk röm5-Osten wurde u.a. der Spreegau gebildet. In diesen Spreegau wurde der 1883 gegründete MTV Spieß Altglienicke eingereiht. Die regionalen Turngaue in den Turnbezirken führten jährlich ihre Turngaufeste durch, an denen die Sportler des jeweiligen Turngaues teilnehmen durften.

Innerhalb des Spreegaus gab es weiterhin Sport- und Spielfeste, Hallenturnen sowie Musterriegenturnen, die zu nicht festen Zeiten ausgetragen wurden. Wie in jeder Organisation oder in jedem Verein gab es in den Organisationen der Deutschen Turnerschaft die jährlichen Hauptversammlungen. Der Spreegau führte jeweils zum Beginn des Kalenderjahres den Gauturntag als Hauptversammlung durch. Weitere zentrale Versammlungsveranstaltungen oder Weiterbildungen wurden selbstverständlich "oberhalb" des Spreegaues, also im Turnbezirk oder im gesamten Turnkreis durchgeführt.

Innerhalb des MTV Spieß Altglienicke wurden außer den Teilnahmen an den zentralen Sportfesten der übergeordneten Struktureinheiten jährlich als Höhepunkte die vereinsinternen Stiftungsfeste aus Anlaß der Vereinsgründung durchgeführt. Von einigen dieser Stiftungsfeste haben wir sehr interessante Unterlagen, die wir nachfolgend auch veröffentlichen. Ansonsten ist davon auszugehen, dass die Turner (später auch die Gymnastikfrauen) regelmäßig ihre Sport- und Trainingsabende durchgeführt haben.

1888- MTV Spieß Altglienicke

Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht vorgesehen
Kreisturnfest: Luckenwalde
Gauturnfest: noch nicht bekannt
Gauturntag: noch nicht bekannt


Durch den Bürgerverein erhielten wir aus dem Jahr 1888 das nachfolgende wertvolle Dokument. Es handelt sich hierbei um eine Einladung zu einer Rekrutenverabschiedung. Wie oft und aus welchem Grund eine derartige Veranstaltung durchgeführt wurde, konnten wir bisher nicht klären.

1889-1895- MTV Spieß Altglienicke; ab 1893- Arbeitersport

Aus diesen Jahren fehlen uns noch viele Informationen, so dass wir an dieser Stelle ein Jahresfenster einführen, um in diesem Informationen zu sammeln, die ggf. irgendwann zu einer einzelnen Jahresscheibe gesplittet werden.


1889:
Deutsches Turnfest: 27. bis 31.07.1899 München
Kreisturnfest: noch nicht bekannt
Gauturnfest: noch nicht bekannt
Gauturntag: noch nicht bekannt


1890:
Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht vorgesehen
Kreisturnfest: noch nicht bekannt
Gauturnfest: noch nicht bekannt

Gauturntag: noch nicht bekannt

1891:
Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht vorgesehen
Kreisturnfest: noch nicht bekannt
Gauturnfest: noch nicht bekannt

Gauturntag: noch nicht bekannt

1892:
Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht vorgesehen
Kreisturnfest: Perleberg
Gauturnfest: noch nicht bekannt

Gauturntag: noch nicht bekannt

1893:
Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht vorgesehen
Kreisturnfest: Perleberg
Gauturnfest: noch nicht bekannt

Gauturntag: noch nicht bekannt

Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes im Jahr 1890 gründete sich 1893 der Arbeiter-Turnerbund (A.T.B. später A.T.S.B.), da Arbeitern die Mitgliedschaft in der bürgerlichen Deutschen Turnerschaft dem Grunde nach verboten war. Ferdinand Götz war als Vorsitzender der Deutschen Turnerschaft der schärfste Verfechter der Trennung zwischen bürgerlichen und Arbeitersport. Nach seiner Theorie besaß der Arbeitersport weder die sittlich noch die nationale Reife für einen Sportverband im Sinne der Deutschen Turnerschaft. In einem Artikel der Arbeiterturnzeitung aus dem Jahr 1924 wird Ferdinand Götz und die Deutsche Turnerschaft aus Sicht des Arbeitersports charakterisiert (Quelle Wikipedia verschiedene und Staatsbibliothek Arbeiterturnzeitung Ausgabe 1924).

Um die komplette innere Struktur des Arbeitersportes in Deutschland zu verstehen, muss man wissen, in welche Dachverbände der gesamte Arbeitersport untergliedert war (Quelle: Staatsbibliothek "Der Arbeitersport" Jahrgang 1920). Dieses waren:

- Kartellverband Groß Berlin
- Arbeiter- Athleten- Bund (gegr. 25.12.1906; Quelle: Wikipedia)
- Touristenverein "Die Naturfreunde"
- Verband für Volksgesundheit
- Arbeiter Radfahrbund Solidarität (gegr. 1896 Offenbach, Quelle:Wikipedia)
- Arbeiter Wassersport Verband
- Arbeiter Turn- und Sport Bund (A.T.B später A.T.S.B.) (gegr. 1893 Gera; Quelle: Wikipedia)
- Arbeiter Schach Bund
- Bund der Arbeitermusikvereine

Der größte Dachverband A.T.B. gliedert sich in Deutschland ähnlich der Struktur der Deutschen Turnerschaft. Er gliederte sich in Kreise (siehe nachfolgende Karte, Quelle: Staatsbibliothek Arbeitersport Ausgabe 1920) sowie innerhalb der Kreise in Bezirke. Altglienicke gehört zum Kreis I- Berlin- Brandenburg und dort zum Bezirk 5. Im A.T.B./A.T.S.B. wurden hauptsächlich betrieben: Turnen, Faust- Raff und Schlagball, Leichtathletik, Hockey, Fußball.
Altglienicker Sportvereine traten erst mit der Gründung der Sport Vereinigung Altglienicke 1906 in den Jahren 1913-1914 dem Arbeitersport bei.

1894:
Deutsches Turnfest: 21. bis 25.07.1894 Breslau
Gauturnfest: noch nicht bekannt

Gauturntag: noch nicht bekannt

1895:
Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht vorgesehen
Kreisturnfest: Schwedt
Gauturnfest: noch nicht bekannt

Gauturntag: noch nicht bekannt

1896- MTV Spieß Altglienicke

Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht durchgeführt
Kreisturnfest: in diesem Jahr nicht durchgeführt
Gauturnfest: noch nicht bekannt
Gauturntag: noch nicht bekannt

In der Kreiszeitung der Deutschen Turnerschaft IIIb wird über ein Hallensportfest des Spreegaus in Cöpenick berichtet, an dem auch eine Abordnung des MTV Spieß Altglienicke teilnahm (hier als Glienicke bezeichnet. (Quelle: Staatsbibliothek Kreisblatt DT IIIb, Jahrgang 1896).

1897- MTV Spieß Altglienicke

Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht durchgeführt

Kreisturnfest: Dahme
Gauturnfest: 04.07.1897 Cöpenick
Gauturntag: bisher nicht bekannt


Im Kreisblatt der Deutschen Turnerschaft aus dem Jahr 1897 fanden wir Daten zu den Mitgliedsvereinen des Spreegaus sowie Daten zum MTV Spieß Altglienicke (Quelle: Staatsbibliothek, Kreisblatt IIIb, Jahrgang 1897).
In der ersten Tabelle vom Januar 1897 wird unser Ortsteil im Kreisblatt noch mit Glienicke bezeichnet. In der zweiten Tabelle, die Ende 1897 veröffentlicht wurde, wird der Ortsteil mit Alt-Glienicke bezeichnet. Zwischen den Tabellen die Erklärung der einzelnen Zahlenangaben.
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Spalte 1- laufende Nummer
Spalte 2- Ort
Spalte 3- Einwohnerzahl
Spalte 4- Vereinsname
Spalte 5- Zahl der über 14 Jahre alten Vereinsangehörigen
Spalte 6- Davon nehmen an den Turnübungen teil
Spalte 7- Davon sind Zöglinge
Spalte 8- Zahl der zur Vereinskasse steuernden Mitglieder
Spalte 9- Zahl der Vorturner einschl. der Turnwarte
Spalte 10- Zahl der Vorturnerstunden im Verein

11- An wieviel Abenden wurde das Jahr geturnt
12- Wieviel Turner besuchten das Jahr hindurch den Turnplatz
13- Wieviel Frauen-Abteilungen bestehen im Verein
14- Mit wieviel Mitgliedern
15- Wieviel Turnerinnen besuchen den Turnplatz
16- Benutzt der Verein eine Turnhalle, wieviel
17- Ist der Verein Eigentümer eines Turnplatzes
18- Wieviel Stück Deutsche Turnzeitung hält der Verein
19- Wieviel Stück Kreisblatt des Kreises hält der Verein
20- Name des Vereinsvorstandes

Aus diesen Tabellen erkennt man, dass der MTV Spieß Altglienicke in der Mitgliederzahl im Mittelfeld der Spreegauvereine lag. Man hatte 1897 noch kein Frauenturnen und konnte noch keine Sporthalle nutzen, denn die erste Sporthalle wurde in Altglienicke erst im Jahr 1911 in Betrieb genommen.

Im Juli 1897 findet in Cöpenick das jährliche Turnfest des Spreegaus statt. Über den Ablauf des Sportfestes berichtet die Kreiszeitung (Quelle: Staatsbibliothek Kreisblatt IIIb, Jahrgang 1897).

1898- MTV Spieß Altglienicke

Deutsches Turnfest: 23. bis 27.07.1898 Hamburg

Kreisturnfest: bisher nicht bekannt
Gauturnfest: Kalkberge-Rüdersdorf
Gauturntag: bisher nicht bekannt

Bisher liegen keine Informationen über den MTV Spieß Altglienicke vor.

1899- MTV Spieß Altglienicke

Deutsches Turnfest: in diesem Jahr nicht durchgeführt

Kreisturnfest: 08 bis 10.07.1899 Guben
Gauturnfest: nicht durchgeführt
Gauturntag: 15.01.1899 Adlershof

Ein erster Nachweis über ein durchgeführtes Stiftungsfest des MTV stammt aus dem Jahr 1899.
Diese Stiftungsfeste hatten im damaligen medienfreien Leben einen völlig anderen Stellenwert als heute. Damals waren die Sportfeste nicht nur Sportveranstaltungen. Sportfeste waren Rituale und gesellschaftliche und wirtschaftliche Höhepunkte für einen Ortsteil, heute eher noch in ländlichen Gebieten gepflegt.
Dieses Dokument erhielten wir vom Bürgerverein Altglienicke. Es gibt im oberen Teil links eine Zeichnung vom Turn- und Sportlerheim bei Haberechts. Dort müssen sowohl die Hallen-Turnveranstaltungen (wahrscheinlich bis 1911) sowie die sonstigen Vereinsveranstaltungen durchgeführt worden sein. Haberechts-Gesellschaftshaus befand sich in der Friedrichstraße (heute Semmelweisstraße) neben der Kirche. Später wurde im Gebäude das Kino Corso errichtet. Heute findet man dort Wohungen.

Der MTV Spieß meldete zum 01.01.1899 45 Mitglieder. Davon waren 15 Jugendliche bzw. Zöglinge, wie damals die jungen Turner genannt wurden. Vereinsvorsitzender war H. Schulz.

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